ⓘ Theodor Hartwig (Philosoph)

                                     

ⓘ Theodor Hartwig (Philosoph)

Theodor Hartwig war ein österreichischer Kulturphilosoph, Publizist und Funktionär in verschiedenen Organisationen der Freidenkerbewegung.

                                     

1. Leben und Werk

Theodor Hartwig wurde 1872 als Theodor Herzl in eine jüdische Familie geboren. 1895, während seines Studiums der Soziologie, konvertierte er zum Katholizismus und änderte zugleich seinen Namen, letzteres, um nicht mit dem damals bekannten Zionisten Theodor Herzl verwechselt zu werden. Ebenfalls zu dieser Zeit wurde seine Ehe aufgelöst, wobei ihm das Sorgerecht für die beiden Töchter Greta und Mela zugesprochen wurde. Letztere wurde später als Schriftstellerin Mela Spira bekannt. Ein später, in zweiter Ehe, geborener Sohn Kurt nahm sich 1924 das Leben.

Hartwigs Konversion zum Katholizismus war nur pro forma geschehen. Alle seine Schriften, mit denen er seit den 1920er Jahren hervortrat - inzwischen hatte er eine akademische Karriere zum Professor der Soziologie hinter sich - sind von einem entschiedenen Antiklerikalismus und Atheismus getragen. Hartwig trat nun als Funktionär und Organisator verschiedener Freidenkergruppierungen, insbesondere der "proletarischen Freidenker", hervor. Er war zeitweiliger Herausgeber regionaler z. B. Freier Gedanke. Organ des Bundes Proletarischer Freidenker in der CSR. wie überregionaler z. B. Der Atheist. Organ der Internationalen Freidenker-Union Zeitschriften. Obwohl er bis Ende der 1930er Jahre Marxist war, hat er sich nie einer marxistischen Partei angeschlossen.

Obwohl Hartwig Professor war, waren seine Schriften keine professoral wissenschaftlichen, sondern auf wissenschaftlicher Basis geschriebene Popularisierungen der marxistischen Weltsicht. Ihr Zweck war es, die Menschen zu ermutigen, dem Marxschen Satz gemäß zu handeln, wonach es darauf ankomme, die Welt zu verändern. Dabei knüpfte Hartwig, der die Einsichten der jungen Psychoanalyse rezipierte, nicht nur an die ökonomischen Probleme der Menschen an, sondern auch an die persönlichen, psychischen, deren tiefere Ursachen er ebenfalls aus der bestehenden Gesellschaftsordnung heraus erklärte und deshalb für deren Veränderung plädierte. Obwohl er kein Psychologe war, kam er so den Bestrebungen der Sexpol-Bewegung sehr nahe, die der 1933 aus der KPD ausgeschlossene Psychoanalytiker Wilhelm Reich begründet hatte. Hartwig besprach die Massenpsychologie des Faschismus und andere Bücher Reichs sehr positiv in einigen freidenkerischen Zeitschriften und schrieb in den 1930er Jahren in Reichs Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie.

Schon in seinen "Kritischen Bemerkungen zum VIII. internationalen Philosophen.Kongress 1934 in Prag" ist eine Verlagerung von Hartwigs schriftstellerischen Ambitionen zu bemerken. Seine Zielgruppe sind nicht mehr die Massen, sondern die fortschrittlichen Intellektuellen, die durch den politischen Sieg des Nationalsozialismus und die stalinistische Entwicklung in der Sowjetunion orientierungslos zu werden drohen. Verstärkt ist Hartwigs Tendenz zur Philosophie in seinem ersten Buch nach dem Kriege zu bemerken. Doch ist er nach wie vor ein politischer Kopf, was schon der Untertitel zu seiner Abhandlung über den Existentialismus deutlich signalisiert: eine politisch reaktionäre Ideologie.

                                     

2. Schriften Auswahl

  • Der Sinn der "religiös-sittlichen" Erziehung. In: Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, 4 1937, Heft 3, S. 203–205 online
  • Die Tragödie des Schlafzimmers. Beiträge zur Psychologie der Ehe. Wien: Verlag Rudolf Cerny 1947
  • Soziologie und Sozialismus. Einführung in die materialistische Geschichtsauffassung. Jena: Urania-Verlagsgesellschaft 1927
  • Jesus oder Karl Marx? Wien: Verlag Rudolf Cerny 1925, erw. Auflage 1926
  • Hamlets Hemmungen. Eine psychologische Studie. Wien: Verlag Rudolf Cerny 1952
  • Die Revolutionierung der Frau. Tetschen-Bodenbach/CSR: Bund proletarischer Freidenker 1927.
  • Die Krise der Philosophie. Kritische Bemerkungen zum VIII. Internationalen Philosophenkongress 1934 in Prag. Prag: Verlag Michael Kacha 1935
  • Der Faschismus in Deutschland. Freidenkerbund von Nordamerika, Wisconsin 1933 landete auf der Liste der von den Nationalsozialisten verbotenen Schriften
  • Der kosmopolitische Gedanke. Gesammelte Aufsätze zur Geschichte und Kritik der Humanisierungsbestrebungen der Menschheit. Ludwigsburg: Verlag "Friede durch Recht" 1924
  • Der Existentialismus. Eine politisch reaktionäre Ideologie. Wien: Verlag Rudolf Cerny 1948
  • Mit oder ohne Gott? Eine Kapuzinerpredigt in sozialistischer Beleuchtung. Wien: Verlag Rudolf Cerny 1926
  • : Unsere Stellung zu Sowjet-Russland. Lehren und Perspektiven der russischen Revolution. Mit einem Vorwort von Max Seydewitz. Berlin: Marxistische Verlagsgesellschaft 1931